CDU und FDP im Oberurseler Stadtparlament spielen sich gerne als Retter der Atzelhöhl auf, die schon immer dafür waren, das wunderschöne, 21,7 Hektar große Naherholungsgebiet am westlichen Stadtrand zwischen Königsteiner Straße und Oberhöchstadter Straße, nicht zu bebauen. Im regionalen Flächennutzungsplan war es bis vor nicht allzu langer Zeit noch als „weitere Entwicklungsfläche“ vorgesehen, was auch die Ausweisung als Baugebiet ermöglicht hätte. Ursprünglich sollte dort die Zentrale der Alten Leipziger Versicherung entstehen, die dann aber einen besseren Platz zwischen Oberstedter und Lahnstraße fand.
Am 22. Mai 2003 wollten Bündnis 90/Die Grünen und SPD im Oberurseler Stadtparlament wissen, wie es CDU, FDP und OBG mit der Atzelhöhl-Bebauung halten. In dem Antrag, ursprünglich von der SPD gestellt und von den Grünen modifiziert, wird eine geänderte Stellungnahme gegenüber dem Planungsverband gefordert mit dem Ziel, auf Bebauung der Atzelhöhl ganz zu verzichten. Darauf wollten sich CDU, FDP und damals auch die OBG nicht einlassen. Etwa 20 Prozent der Fläche sollten zur „Randbebauung“ freigegeben werden, um so genannte Baulücken zu schließen. „Der Hauptkern soll nicht bebaut werden“, zitiert die Frankfurter Rundschau am 24.Mai 2003 den CDU-Fraktionsvorsitzenden Joachim Weiße, aber „über die Ränder können wir gerne diskutieren“.
Als damaliger unabhängiger Bürgermeisterkandidat musste ich meinen Parteifreunden damals im Stadtparlament gleich widersprechen. Ich stellte mich gegen die Fraktionsmeinung und plädierte für ein „Ende des Taktierens“. Ich forderte eine klare Aussage der Fraktion und des Stadtparlaments, dass eine Bebauung der Atzelhöhl nicht in Frage komme.
Für die „Randbebauung“ der Atzelhöhl kursierten damals bereits genau ausgearbeitete Pläne. Dabei ging es um etwa 40 Wohneinheiten oberhalb des AWO-Altenheims in der Kronberger Straße entlang des asphaltierten Feldwegs und hinter der Berberich-Villa. Eingezeichnet in den Planentwurf der städtischen Bauverwaltung waren auch kleinere Erschließungsstraßen zwischen den neuen Häuserreihen. SPD-Fraktionsmitglied Hans-Georg Brum, damals ebenfalls Bürgermeisterkandidat, und ich zogen an einem Strang. Wir befürchteten, dass im Gebiet hinter der Oberhöchstadter Straße bereits Baurecht besteht und aus der Aufstellung eines Bebauungsplans für den restlichen „Randbereich“ weitere Forderungen nach Baufläche für den Rest der Atzelhöhl abgeleitet werden könnten.
Ich stimmte am 22. Mai 2003 folgerichtig gegen die Mehrheitskoalition aus CDU, FDP und OBG für die Nichtbebauung der Atzelhöhl.
Inzwischen sind alle Parteien dafür, die Atzelhöhl von jeglicher weiteren Bebauung freizuhalten. Die genehmigten Bebauungen rund um die Einfahrt an der Kronberger Straße betreffen die Atzelhöhl nicht. Die Weiterfahrt auf der Kronberger Straße wird künftig durch einen kleinen umbauten Platz blockiert. Allerdings hat die OBG sich vergeblich dafür eingesetzt, am oberen Ende des Plätzchens zumindest e i n e Fläche unbebaut zu lassen, was später einmal die Möglichkeit eröffnen würde, Platz für Zufahrten zur Bebauung der Oberhöchstadter Straße in zweiter Reihe zu lassen. Der Vorwurf, den CDU und FDP in diesem Zusammenhang an die OBG-Fraktion richteten, sie wolle sich damit noch ein Hintertürchen für die Bebauung der Atzelhöhl freilassen, entbehrt jeder Grundlage.
Erster Stadtrat und Baudezernent Eberhard Häfner von der OBG hat sich bei seiner Abschiedsrede 2003 übrigens deutlich gegen die Bebauung der Atzelhöhl ausgesprochen, wobei ihm der ebenfalls scheidende Bürgermeister Gerd Krämer durch sichtbares Nicken beipflichtete. Insofern hinkten die damals noch zögerlichen Stadtverordneten von CDU, FDP und OBG hinter dem Votum ihrer damaligen Vordenker hinterher. Christoph Müllerleile
Sie müssen als angemeldet sein, um einen Kommentar schreiben zu können.